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Geburt Mariens Meister des Eggelsberger Altars, datiert 1481.

Kunst bis 1918

Die Sammlung umfasst Altäre, Gemälde und Skulpturen mit Schwerpunkten in der mittelalterlichen und barocken Kunst Oberösterreichs. Sie wird ergänzt durch erlesene französische, italienische und niederländische Werke. Besonders reich vertreten ist die Wiener Malerei zwischen Biedermeier, Stimmungsrealismus und Jugendstil.

Die Kunstsammlungen des Oberösterreichischen Landesmuseums verdanken ihren heutigen Reichtum einer Reihe von Wohltätern, beginnend mit dem Stift St. Florian, das 1835 den Grundstock der Gotik-Sammlung legte. Eine Internationalisierung erfolgte 1898 durch das Legat des Diplomaten Emanuel Graf Ludolf. 1970 wurde die Sammlung Pierer mit Malerei des 19. Jahrhunderts angekauft. Die bisher größte Schenkung war die Sammlung Walther Kastners, die 1975 übergeben und später mehrfach erweitert wurde.

Die Sammlung umfasst derzeit etwa 2.500 Gemälde und 1.000 Skulpturen. Über 1.100 weitere Objekte stammen aus der Schenkung Kastner.

Seit der Gründung des Museums stand die Kunst des Mittelalters im Zentrum des Interesses. Die beiden romanischen Madonnen, die Rieder und die Linzer Kreuzigung, der Eggelsberger Altar, der unbekleidete Christus, die Anbetungstafeln des Meisters von Mondsee und die Johannesschüssel des Kefermarkter Meisters zählen zu den faszinierendsten Werken dieser Epoche. Die "Werke der Barmherzigkeit" mit Szenen aus dem mittelalterlichen Alltag, der "Palmesel" (Einzug Christi in Jerusalem), das große Jüngste Gericht und das "Rauhe Weib" (Verzückung der hl. Maria Magdalena) sind Zeugnisse mittelalterlicher Frömmigkeit. Die Epoche klingt aus in der Expressivität der Donauschule, etwa im Passionszyklus des Meisters H und im Bierbaumer Kruzifix.

Die kleine, erlesene Sammlung italienischer Kunst enthält ein Madonnenrelief der della Robbia-Werkstatt, einen Madonnentondo aus dem Umkreis Raffaels, ein Damenbildnis Pietro della Vecchias und ein Freskenfragment Corregios aus Parma. Unter den Niederländern sind Jan van Hemessens Kreuztragender Christus, Lucas van Valckenborchs "Gelage im Freien" und seine (erst jüngst erworbene) Ansicht von Linz hervorzuheben, ebenso die Landschaften von Jan Brueghel, Paul Bril, Joseph von Bredael und Josse de Momper. Das "Rothenburger Patrizierfest" Wilhelm Zieglers und die Bildnisse Bartel Bruyns und Christoph Ambergers repräsentieren die deutsche Schule. Ein besonderer Höhepunkt ist der aus Schloss Würting stammende, Claude Aubertin zugeschriebene Zyklus von Deckenbildern mit Allegorien der großen Länder Europas.

Unter den Alten Meistern ragen die Landschaften von Nicolaes Berchem, Jan van Goyen, Jacob van Ruisdael und Klaes Molenaer, die Seestücke von Bonaventura Peeters und ein Stilleben Jan de Heems besonders hervor. Zwei Allegorien Joachim von Sandrarts, zwei Schlachtenbilder von Jacques Courtois, zwei großformatige Hirtenstücke von Rosa da Tivoli sowie die Bildnisserien von Feldherren des Dreißigjährigen Krieges und habsburgischen Herrschern bilden weitere Schwerpunkte. Der Barocksaal zeigt die Entwicklung der oberösterreichischen Skulptur von Hans Spindler über Martin und Michael Zürn bis zu Marian Rittinger, Meinrad Guggenbichler und den Mitgliedern der Familie Schwanthaler. Höhepunkte sind die großen Figuren Spindlers und der Brüder Zürn sowie die Werke von Thomas und Johann Peter Schwanthaler. Sie werden ergänzt durch Altarbilder von Gerard de Lairesse, Martino und Bartolomeo Altomonte sowie Martin Johann Schmidt.

Die Sammlung enthält mit Pierre Paul Prud’hons "L’union de l’Amour et de l’Amitié" und Friedrich Heinrich Fügers "Dido auf dem Scheiterhaufen" zwei Hauptwerke des Pariser bzw. Wiener Barockklassizismus. Ein Bild Peter Fendis zeigt Antonio Canovas berühmte Gruppe der Drei Grazien. Fügers Lieblingsschüler, der Oberösterreicher Josef Abel, ist mit Porträts, antiken Szenen und Historienbildern wie der Schlacht im Teutoburger Wald vertreten. Geradezu klassisch sind auch die Landschaftsbilder Joseph Rebells und Károly Markós.

Das Museum bietet einen ausgezeichneten Überblick über das Wiener Biedermeier, wobei insbesondere Ferdinand Georg Waldmüller, Johann Baptist Reiter und Johann Baptist Wengler mit Bildern aus allen Schaffensperioden vertreten sind. Von Josef Danhauser stammen neben dem Genrebild der "Aufgehobenen Zinspfändung" auch Porträts wie jenes Franz Stelzhamers. Carl Schindlers "Deserteur" zeigt die Schattenseiten der Armee, während die Genrebilder Waldmüllers, Franz Eybls, Eduard Ritters, Johann Michael Neders und Johann Baptist Reiters vor allem soziales Engagement verraten. Franz Schrotzberg, Moritz Michael Daffinger und Emanuel Peter malten die Schönheiten ihrer Epoche, wogegen Reiters "Emanzipierte" für das "revolutionäre" Biedermeier steht.

Die Maler des Biedermeier entdeckten die Landschaft des Salzkammerguts, wo Franz Steinfeld, Friedrich Gauermann und Ferdinand Georg Waldmüller ihre Lieblingsmotive fanden. Ignaz Raffalt und Friedrich Loos schufen stimmungsvolle Donaulandschaften. Thomas Enders "Großglockner mit Pasterze" gilt als Meilenstein der Alpinmalerei. Während Waldmüller im Spätwerk neue Wege beschritt, huldigten Hermann Mevius, Robert Kummer, Otto von Kameke und Albert Bierstadt in ihren monumentalen Großformaten den Idealen des Erhabenen. Emil Jakob Schindler, Eugen Jettel, Theodor von Hörmann, Carl Moll, Josef Ribarz, Robert Russ, Olga Wisinger-Florian, Tina Blau und Marie Egner vertraten hingegen eine von der Stimmung getragene, dem Impressionismus verwandte Facette der Pleinairmalerei.

Den Höhepunkt der Epoche bilden mehrere Hauptwerke Hans Makarts, darunter das Großformat der "Ernte" aus dem Wiener Palais Helfert und die brillante "Japanerin". Außerdem ist der Künstler in einer Büste Viktor Tilgners präsent. Dazu kommen wichtige Arbeiten von Carl Rahl, Hans Canon ("Die Fischverkäuferin"), Teutwart Schmitson ("Treidelpferde"), Anton Romako (Nymphe, "Semele und Endymion") und Leopold Carl Müller ("Kamelmarkt in Kairo"). Die französische Salonmalerei ist durch Auguste Galimard ("Leda") und Émile Lévy ("Die Erziehung Amors") vertreten, die Münchener Schule durch Hermann Kaulbachs berühmtes Bruckner-Bildnis. Maximilian Kurzweils "Dame in Violett" vertritt die Eleganz des Wiener Jugendstils, wogegen die Werke von Richard Gerstl, Egon Schiele und Anton Faistauer die Entwicklung zur Moderne markieren.

Die Abteilung Kunstgeschichte widmet sich allen Aspekten der Sammlung und versteht sich auch als Anlaufstelle für die landeskundliche Forschung, auf der auch der wissenschaftliche Schwerpunkt liegt. So beschäftigten sich zahlreiche Aufsätze mit Künstlern der Gotik, des Barock und des Biedermeier. 1990 war eine Doppelausstellung in Linz und Schloss Grafenegg dem Schaffen Johann Baptist Reiters gewidmet, wofür ein neues Werkverzeichnis des Künstlers erarbeitet wurde.

Im Gefolge der Landesausstellung über das Mühlviertel fand ein internationales Symposion über den Kefermarkter Altar statt. Der 1993 erschienene Ergebnisband begründete die Reihe der Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich. Ab 1995 wurden die Sammlungen Pierer und Kastner systematisch in Katalogen bearbeitet, zuletzt 2010 anlässlich der Ausstellung der Graphik der Schenkung Kastner.

Das bisher umfangreichste Projekt war jenes zur Gotik in Oberösterreich im Jahr 2002 (11 Ausstellungen und bisher 5 Publikationen). Die Ausstellung "Sehnsucht Natur. Landschaften Europas" war anlässlich der Europäischen Kulturhauptstadt 2009 in Vilnius und in Linz und 2010 in Groß St. Florian zu sehen. Die Ausstellung "Johann Baptist Reiter" wurde 2013 in Zusammenarbeit mit dem NORDICO Stadtmuseum Linz veranstaltet.

Die Sammlung war zuletzt 2015 maßgeblich an der Ausstellung "Mythos Schönheit" beteiligt und wird es auch 2016 bei jener zum 50-Jahr-Jubiläum des Schlossmuseums Linz sein. Die gotischen Elfenbeinreliefs wurden im Rahmen des Gothic Ivories Projects des Courtauld Institute of Art erfasst. Das laufende Barock-Projekt, zu dem inzwischen ein aufwändiger Doppelband erschienen ist, wird in Zusammenarbeit mit dem Oberhausmuseum und der Universität Passau fortgeführt.

In den nächsten Jahren werden die mittelalterlichen Bestände des Museums wissenschaftlich neu bearbeitet und publiziert. Längerfristig ist eine mehrbändige und reich bebilderte Publikation zur Kunst Oberösterreichs angedacht.

Übersicht Publikationen

Publikationen Kunst bis 1918 Dr. Schultes

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