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Anbetung der Könige

Vor dem Hintergrund einer Mondsee-Landschaft wird die Heilige Familie von einer Menschenmenge bedrängt, in deren Mitte der junge Mohrenkönig mit seinen Begleitern ein kostbares Goldgefäß überreicht. Der im Vordergrund kniende, weißhaarige König trägt die Züge des 1493 verstorbenen Kaisers
Friedrich III., dessen roter Mantel über die Schultern seines Begleiters gelegt ist. Es handelt sich vielleicht um Herzog Georg den Reichen von Bayern-Landshut, zu dessen Herrschaftsbereich das Mondseeland gehörte und der 1490 dem Kaiser und seinem Sohn Maximilian Kriegshilfe gegen Ungarn leistete.

Das Bild war ursprünglich Teil eines aus dem Stift Mondsee stammenden Altars, der vor 1828 zerlegt und verkauft wurde. Während die Skulpturen verschollen sind, gelangten die Flügelbilder über den Handel in die Sammlungen des Fürsten Liechtenstein, der nur die Darstellung des 12-jährigen Jesus im Tempel behielt. Die anderen Flügelbilder wurden verkauft und kamen in Privatbesitz. Nachdem das Museum bereits 2000 die Tafel der Anbetung ersteigert hatte, konnte es 2014 mit Hilfe der Gesellschaft der Förderer auch das Bild der Darbringung im Tempelerwerben. Hingegen gelangte die Beschneidung Christi schon früh ins Kunsthistorische Museum und von dort ins Belvedere, ebenso die kleinen Bilder der Predella mit den Kirchenlehrern Ambrosius und Augustinus, der Flucht nach Ägypten und dem Bild des Stifters: des 1499 verstorbenen Abtes Benedikt Eck von Vilsbiburg. Der Raum, in dem er vor der Ährenkleidmadonna kniet, ist offenbar die zerstörte romanische, 1477 neu geweihte Marienkapelle des Stiftes.

Abt Benedikt war es auch, der 1471 bei Michael Pacher den berühmten Flügelaltar für die zum Kloster gehörige Wallfahrtskirche von St. Wolfgang in Auftrag gab. Ein Vergleich der Szenen der Beschneidung und Darbringung zeigt, wie der Meister von Mondsee das Vorbild Pachers in seine viel »gotischere « Formensprache übertrug. Es ist naheliegend, dass es sich dabei um einen der beiden in Mondsee ansässigen Maler Rupert Pichler und Hans Engelhart handelte. Pichler stammte aus Salzburg und war ein Bruder des Abtes von Stift St. Peter, Engelhart nannte sich nach seiner Heimatstadt (?) auch Nürnberger. Beide starben zur Jahreswende 1498/99, doch sind von ihnen keine gesicherten Werke erhalten.
Lothar Schultes

ANBETUNG DER KÖNIGE
MEISTER VON MONDSEE, um 1490/93 (?)
Malerei auf Fichtenholz, Höhe 113,8 cm, Breite 87 cm
Sammlung Kunstgeschichte, Inv. Nr. G 2576
(erworben 2000 mit Unterstützung von Univ. Prof. Dr. Karl Zweymüller und des Landes Oberösterreich)

LITERATUR (AUSWAHL):
GMELIN 1990; SCHULTES 2001;
SCHULTES - PROKISCH 2002, 275–277,
Nr. 1/11/19–1/11/22 und Umschlagabb.

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