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Der Goldhalsreifen von Uttendorf

Der Halsreifen besteht aus einem etwa 10 Zentimeter breiten, 60 Zentimeter langen und bis zu 0,5 Millimeter dicken Goldblechstreifen, der zu einem
Reifen von 21 Zentimeter Durchmesser getrieben ist. Der Reifen wiegt nur 240,41 Gramm und ist vollständig mit eingepunzten geometrischen Ornamenten verziert. Wie für ein Goldobjekt typisch, war er durch die lange Lagerung nicht maßgeblich beeinträchtigt, jedoch bei der Auffindung noch stark verbeult. Durch eine Restaurierung in Mainz wurde die ursprüngliche Form wieder hergestellt. Der Reifen weist trotz seiner auch durch das geringe Gewicht bedingten Fragilität noch immer große Flexibilität auf; beispielsweise ist der Knopfverschluss noch immer funktionsfähig.

Gefunden wurde das Objekt in der heutigen Gemeinde Helpfau-Uttendorf im Innviertler Mattigtal im Jahr 1885. Hugo von Preen, bedeutender Heimatforscher seiner Zeit, beschrieb dies so: »Indessen ich am anderen Morgen noch im Schlafe lag, klopfte es an der Thür, ein Bote trat ein und benachrichtigte mich mit folgenden Worten von dem großen Ereignis: ›Se soit’n schnell außi kema, ham a guidene Kron g’funden.‹ Ich traute meinen Ohren nicht und ließ mir während ich meine Augen rieb den Fund beschreiben. Es war kein Zweifel. Hocherfreut und begierig das Wunderding zu sehen, kleidete ich mich schnell an und eilte hinaus.«

Der Reifen wurde in einem Grabhügel zusammen mit den Überresten eines Wagens, umfangreichen Keramikbeigaben und Metallgefäßen gefunden. Wie im 19. Jahrhundert üblich, wurde der Leichenbrand im Grab nicht geborgen, weswegen keine modernen Analysen hinsichtlich Sterbealter und Geschlecht durchgeführt werden können.

Goldhalsreifen sind zwar eine Seltenheit, aber in ähnlicher Form und Machart in 28 Fällen auch aus Südwestdeutschland, Ostfrankreich und der Schweiz bekannt. Der Uttendorfer Fund markiert den östlichsten Punkt auf der Verbreitungskarte der Goldhalsreifen. Sie datieren in die jüngere westliche Hallstattkultur, wobei das Uttendorfer Exemplar auch aufgrund seiner sehr aufwendigen und eher seltenen Verzierung der Zeit zwischen 520 und 490 vor Christus zugewiesen und somit zu den älteren Halsreifen gezählt werden kann. Eine Besonderheit stellt der Knopfverschluss dar, der von anderen Halsreifen nicht bekannt ist, jedoch von österreichischen Goldarmringen, was für eine lokale Produktion und gegen einen Import spricht. Aus welcher Lagerstätte das Gold stammt, ist nicht bekannt.

Goldhalsreifen werfen wie alle seltenen und prunkvollen Gegenstände in der prähistorischen Forschung die Frage nach dem sozialen Stellenwert derjenigen Personen auf, in deren Gräbern sie gefunden wurden. Häufig wird auch heute noch der irreführende Begriff »Fürstengrab« für besonders umfangreich ausgestattete Gräber verwendet, obwohl zu wenig über die sozialen Verhältnisse der Hallstattzeit bekannt ist, um solche Begriffe seriös verwenden zu können. Nicht immer müssen reiche Beigaben in einem Grab zwangsläufig bedeuten, hier eine Person von hohem sozialen Rang oder gar Herrscher oder Herrscherin vor sich zu haben. Lässt sich aus dem Grabbrauch für die Toten ohnehin nur schwer auf die Welt der Lebenden der Hallstattzeit schließen, so müssen hier zudem angesichts des fehlenden Leichenbrandes viele Fragen offen bleiben.

Aus dem Wissen über andere Fundorte zeigt sich klar, dass reich ausgestattete Gräber, auch mit Gold und Wagen, sowohl für Frauen als auch für Männer angelegt wurden. Das lässt auf vergleichsweise gleichberechtigte soziale Verhältnisse hinsichtlich der Geschlechter schließen, was womöglich aber nicht auf die Verhältnisse zwischen den einzelnen Ebenen der Gesellschaft umzulegen ist.
Jutta Leskovar

DER GOLDHALSREIFEN
VON UTTENDORF
ca. 550 v. Chr.
Gold, Treibarbeit, Durchmesser 21 cm, Gewicht 240,41 g
Sammlung Ur- und Frühgeschichte, Inv. Nr. A-1417

LITERATUR (AUSWAHL): HANSEN 2010

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