Zurück zur Natur

Ausgehend von Rousseaus Kulturkritik erfolgte eine Hinwendung zur Natur, die von der gefürchteten Bedrohung zum Gegenstand romantischer Sehnsucht wurde. Entsprechend vielfältig sind die hier gezeigten Landschaften, von der holländischen Winterlandschaft über das "romantische" Donautal bis zum "klassischen" Arkadien und von der Herbheit Helgolands bis zu den Gletschern des Großglockners. Die Apotheke aus Schloss Weinberg veranschaulicht die Nutzung der Natur zu Heilzwecken, naturkundliche Präparate ihre .wissenschaftliche Erforschung.  In der Mitte des Raums illustrieren Fahrzeuge den unterschiedlichen Zugang zur Natur: der Adler eines kaiserlichen Schiffes, ein barocker Paradeschlitten und eine Draisine, die den Weg zur Fahrzeugtechnik der Zukunft andeutet.

Ideal und Wirklichkeit

Das für die Kunst des 19. Jahrhunderts so bezeichnende Spannungsverhältnis spiegelt sich nicht zuletzt in der Gleichzeitigkeit von Klassizismus und Romantik, Biedermeier und Realismus. Dem entsprechend reichen die inhaltlichen Schwerpunkte von der antiken Geschichte und Mythologie über die jüdisch-christliche Thematik bis zur Porträt-, Blumen- und Genremalerei. Die barocke Allegorie lebt in Prud'hons  "Vereinigung von Liebe und Freundschaft" fort. Durch die 1970 angekaufte Sammlung Pierer liegt ein Schwerpunkt in der Wiener Malerei, die mit Schindler, Amerling, Danhauser und Waldmüller in Hauptwerken vertreten ist. Darüber hinaus erhielten die Oberösterreicher Abel, Reiter, Zinnögger, Wengler und Kronberger eigene monographische Bereiche. Neben Bildern sind auch Möbel, Glas, Porzellan, Eisen und Miniaturschnitzereien zu sehen.

Landschaft im Licht

Um 1800 wurde das Studium alter Meister allmählich durch jenes der Natur ersetzt, wobei Steinfeld und Waldmüller und Rudolf von Alt zu den Pionieren gehörten. Gauermann und Hansch hingegen neigten zu dramatischer Überhöhung, und auch in den Großformaten von Kummer, Mevius und Bierstadt die Ideale des Erhabenen weiter.

Die 1970 angekaufte Sammlung Pierer gibt einen Überblick über die Wiener Malerei vom Biedermeier zum Realismus und Stimmungsimpressionismus, als dessen "Vater" der in Dresden, München und Mailand tätige Albert Zimmermann gilt. Schindler, Hörmann, Jettel, Wisinger-Florian, Blau, Russ und Ribarz schufen unter seinem Einfluss eine spezifisch österreichische Facette des Pleinair.

Makartzeit und Jugendstil

Der Raum spiegelt die Atmosphäre der Metropole und Kaiserstadt Wien, geprägt von Bildern und Möbeln und einem Denkmalentwurf aus dem Nachlass des "Malerfürsten" Hans Makart, der den Stil seiner Epoche maßgeblich prägte. Die Bilder des Künstlers und seiner Münchner und Wiener Malerfreunde Kaulbach, Lenbach und Müller geben einen Eindruck von der Pracht der Gründerzeit, gipfelnd im monumentalen, aus dem Palais Helfert stammenden Bild "Die Ernte" und in der effektvollen "Japanerin". Ihr wird als Gegenpol die Pariser Salonmalerei eines Lévy gegenübergestellt, der auch Veith und Ritzberger verpflichtet waren.

Das Kunstgewerbe des Wiener Jugendstils ist vor allem durch die prachtvollen Lötz-Vasen, die Keramiken von Powolny sowie Schmuck und Silberwaren von Hoffmann und Moser vertreten.