Sondersammlungen
- Manuskripte
- Autographen
- Inkunabeln und Frühdrucke
- Historische Landkarten und Atlanten
- Musikalien, Theatersammlung
- Ehrenurkunden
- Nachlässe
- Porträts und Porträtfotografien
- Ansichtspostkarten
- Plakate
- Historische Spielkarten
- Stammbücher, Gebetbücher, Kalender
- Kochbücher
Manuskripte
Die Höhepunkte der Handschriftensammlung sind einmal das älteste Werk, ein Fragment einer Nibelungenhandschrift (2. Drittel 14. Jh.), ein bestens erhaltenes, beidseitig beschriebenes Pergamentblatt, das bereits in den ersten Jahren des Bestehens des Museums hierher gelangt ist.
Weiters das „Antiphonar des Erhard Cholb“, eine Prachtcodex, entstanden in der Zeit von 1435 bis 1464 in einer Schreibschule der Diözese Passau, geschmückt mit wunderschönen Initialen und prächtigem Rankenwerk.
Ebenso bekannt ist die mathematisch-astronomische Sammelhandschrift um Johannes von Gmunden (gest. 1442), 1425 – 1428 vermutlich in Wien entstanden, mit Texten zu den Fixsternen und verschiedenen Messinstrumenten, illustriert mit zahlreichen astronomischen und geometrischen Figuren.
Das „Kräuterbuch“ des Arztes Johannes Hartlieb (gest. um 1470) fügt sich in die Tradition der großen deutschen Kräuterbücher ein. 1435 – 1450 in Burghausen an der Salzach verfasst, zeigt es 112 Aquarelle von bodenständigen Heilpflanzen und deren Beschreibung in deutscher Sprache.
Ein besonderes Unikat stellt ein Sammelband über festliche Aufzüge der Barockzeit dar. Er enthält sowohl gedruckte Zeugnisse (1565 – 1658 erschienen), als auch handschriftliche. Von größter kulturhistorischer Bedeutung für Linz und Oberösterreich sind jedoch die Sepiazeichnungen, Aquarelle und Gouachen von Jonas Arnold (1609-1669), Hofmaler des Grafen Starhemberg in Linz. Starhemberg ließ die von ihm veranstalteten farbenprächtigen Faschingsumzüge der Jahre 1635 – 1637 bildlich festhalten. Durch genaue Teilnehmerlisten wird das Werk genealogisch zur wertvollen Quelle.
Die Bibliothek bewahrt auch archäologische Fundberichte und Zeichnungen zu Fundstellen in Oberösterreich auf. Johann Georg Ramsauers Berichte über die Auffindung der „Alterthums-Gräber vom Salzberg zu Hallstatt in Oberösterreich“, 1846 –1863, mit großformatigen Tafeln der ergrabenen Gegenstände, gehören zu den Leitobjekten oberösterreichischer Kulturgeschichte.
Autographen
Die ca. 15.000 Schriftstücke umfassende Autographensammlung enthält z. B. ein Stammbuchblatt Johannes Keplers (1571 – 1630) aus dem Jahr 1612, dem ersten Jahr seiner Tätigkeit für die Stände in Linz, ein Dankschreiben Feldmarschall Josef Wenzel Graf Radetzkys (1766 - 1858) an den Waffenschmied Ferdinand Ridler in Spital am Pyhrn für eine von diesem gefertigte Stahlklinge (1848), ein eigenhändig beschriebenes und illustriertes Blatt von Nikolaus Joseph von Jacquin (1727 – 1817), Vertreter des goldenen Zeitalters der Botanik in Österreich. Es befinden sich aber auch zahlreiche Briefe, kleine Texte, Schriftproben von Künstlern, Schriftstellern, Wissenschaftlern, Herrschern, Politikern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens darunter.
Inkunabeln und Frühdrucke
Die Bibliothek besitzt 20 Inkunabeln (Erscheinungszeitpunkt bis 31. Dezember 1500), die im Österreichischen Inkunabelzensus erfasst sind, darunter berühmte Drucke von Anton Koberger aus Nürnberg, wie die „Schedel’sche Weltchronik“ (die lateinische und die deutsche Ausgabe) 1493, der „Schatzbehalter“ 1491, „Die Reformation der Stadt Nürnberg“ 1484. Weiters „Hortus Sanitatis“ (deutsch) des Johannes von Cuba, 1485 erschienen in Augsburg bei Schönsperger, Bernardus de Gordonio’s „Practica, seu Lilium medicinae“, erschienen in Venedig 1496/97.
An Frühdrucken (Erscheinungszeitraum 1501 bis 1530) sind vor allem eine Sammlung von „Newen Zeyttungen“ 1519 – 1530 erwähnenswert, Luther-Drucke des Adam Petri in Basel (1519/1520), „Das Buch zu distillieren“ des Hieronymus von Braunschweig, Straßburg 1519, „Algorithmus Mathematici Georgii Peurbachii“, Wien 1520 u. v. m.
Daran schließt ein reicher Bestand an Drucken des 16. Jahrhunderts an, die allmählich in den Verbundkatalog eingearbeitet und somit abrufbar werden.
Historische Landkarten und Atlanten
Die Bearbeitung der ca. 10.000 historischen Landkarten und Atlanten im österreichischen Bibliotheken-Verbundsystem ist im Gange. Die Museumsbibliothek besitzt Karten Oberösterreich, Österreich und die ganze Welt betreffend. Neben interessanten Manuskriptkarten wie „Der Verlauf der Traun vom Grundlsee bis zur Mündung in die Donau“ von Franz Nikolaus Pernlohner, um 1688, einer gerollten Karte von fast 23 Metern Länge (Tuschezeichnung) und einzigartigen Karten „der alten Land=Fürstlichen Städte Enns und Freistadt“, angefertigt von Johann Andreas Meyer 1750 (Aquarelle) scheinen alle bekannten Oberösterreich-Karten in der Sammlung auf:
- Augustin Hirschvogel: Beschreibung des Erczherzogtumb Oesterreich ober Enns, 1583;
- Wolfgang Lazius: Austriae Ducatus Chorographia, 1570;
- Abraham Holtzwurm: Archiducatus Austriae Superioris, 1662 u. v. m.
- Zahlreiche Karten aus den berühmten Wiener Verlagen Schrämbl, Reilly, Artaria, Kunst- und Industrie-Comptoir liegen vor.
Musikalien, Theatersammlung
Die Musikaliensammlung ist ein historisch gewachsener Teil der Sondersammlungen.
Unter den Musikhandschriften befinden sich Kostbarkeiten wie die „Linzer Orgeltabulatur“. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von 120 vierstimmigen Tänzen und Liedbearbeitungen für Tasteninstrumente, die 1611 – 1613 aufgezeichnet wurden. Es ist die umfangreichste Sammlung dieser Art aus dem süddeutsch-österreichischen Raum.
Die Bibliothek besitzt weiters zwei Autographen Wolfgang Amadeus Mozarts, die Lieder „Die großmüthige Gelassenheit“ (KV 149) und „Die Zufriedenheit im niedrigen Stande“ (KV 151). Weiters scheinen auch bekannte Namen aus dem Umfeld Mozarts auf: Franz Xaver Glöggl (1764 - 1839) hat in seinen „Nekro= et Biographien ausgezeichneter Freunde und Künstler der Tonkunst im Lande Oesterreich ob der Enns“ Lebensbeschreibungen von Vater und Sohn Mozart sowie des Mozart-Schülers Franz Xaver Süßmayr verfasst. Zeitgenossin Mozarts war die blinde Komponistin Marie Theresia Paradis (1759 – 1824), von der die Museumsbibliothek die komische Oper in fünf Aufzügen „Der Schulkandidat“ (Autograph) besitzt.
Die musikalischen Nachlässe von folgenden Komponisten befinden sich hier: Josef Brauneis (1873 - 1948), Josef Breinbauer (1860 – 1945), Leopold Daxsperger (1896 – 1963), Ludwig Daxsperger (1900 – 1996), Johann Evangelist Habert (1833 – 1896), Wenzel Lambel (Mitte 19. Jh.), Moritz von Mayfeld (1817 - 1904), Franz Neuhofer (1870 – 1949), Johann Bapt. Schiedermayr (1779 – 1840).
Besonders erwähnenswert ist die Sammlung Anton Bruckner (1824 – 1896). Kleinere Werke wie Lieder, Kontrapunktstudien, Übungsblätter für Schüler, Briefe, Erinnerungsstücke an Bruckner (Gebetsaufzeichnungen, ein Kalenderblatt mit meteorologischen Beobachtungen, Ballkarten) befinden sich darunter. Das unumstritten wichtigste Stück dieser Sammlung ist jedoch die von Bruckner testamentarisch dem Oberösterreichischen Landesmuseum zugedachte Originalhandschrift der „Symphonie in d-Moll“ – der „Nullten“, vormals Symphonie No 2 – von Bruckner selber „annulirt“, entstanden 1869 in Wien und Linz.
Daneben scheinen in der Musiksammlung noch zahlreiche kleinere Musikstücke von Ländlern (wie „Viechtwanger Tänze“ 1764) bis zu modernen Kompositionen (wie Giampaolo Coral: Dämonen und Nachtgesichte von Alfred Kubin, 1997) auf, sowie zahlreiche Notendrucke von 1586 (Johannes Guidetti: Verba Christi) bis in die Gegenwart.
Eine Fundgrube für Theaterwissenschafter stellt die von Rudolf Hengl, Linz, sorgfältigst zusammengetragene Theatersammlung dar. Die Theatersaisonen in Oberösterreich 1855 – 1963/64 sind genau dokumentiert, und zwar die aufgeführten Stücke, die Kritiken, die Schauspieler und alles, was damit in Zusammenhang steht. Dazu gibt es hunderte Texthefte, Zeitungsausschnitte, Alben mit Schauspielerporträts, Ensemblebildern, Theateralmanache von 1796 – 1879/80, Programmzettel von 1793 – 1948.
Ehrenurkunden
Eine ausgesprochene Rarität stellt die Sammlung von Ehrenurkunden dar.
Dabei handelt es sich um graphisch, kalligraphisch und auch kunsthandwerklich prächtig ausgestattete Glückwunsch-Adressen oder Verleihungsurkunden aus dem 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Bei den großformatigen Urkunden handelt es sich um Graphiken, die auf die zu ehrende Person individuell ausgerichtet wurden. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang 20 Ehrenbürgerurkunden für Hermann Graf Attems (geb. 1865, Statthalter und Bezirkshauptmann von Linz), die neben den üblichen Schmuckelementen immer auch eine Ansicht der betreffenden Gemeinde enthalten.
Die Ernennungsurkunde Adalbert Stifters (1805 –1868, Dichter, Maler, Zeichner) zum „Conservator für das Kronland Ober Oesterreich“, ausgestellt in Wien, am 30. Juni 1854 vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten, ist ebenfalls Bestandteil dieser Sammlung.
Nachlässe
Die Nachlässe und Teilnachlässe folgender Persönlichkeiten befinden sich in der Museumsbibliothek:
- Altwirth, Theodor
Theaterkritiker, Brucknerumkreis - Benda, Arthur 1885 – 1969
Photograph - Blümelhuber, Michel 1865 - 1936
Stahlschnittkünstler - Brauneis, Josef 1873 - 1948
Komponist - Breinbauer, Josef 1860 - 1945
Komponist - Coulin, Christian
Kaufmann, Wohltäter der Stadt - Daxsperger, Leopold 1896 - 1963
Komponist - Daxsperger, Ludwig 1900 - 1996
Komponist - Francé, Raoul H. 1874 - 1943
Biologe, Schriftsteller - Francé – Harrar, Annie 1886 - 1971
Biologin, Schriftstellerin - Frank, Hans 1908 - 1987
Photograph - Gärtner, Wilhelm
Denkmalpfleger - Gerstl, Otto
Jurist, Graphiker - Gruber, Ignaz 1868 - 1937
Musiker - Habert, Joh.Evang. 1833 - 1896
Komponist - Hamann, Helmut H.F. 1902 - 1980
Entomologe - Hengl, Rudolf
Theatersammlung - Lambel, Wenzel
Komponist - Mayfeld, Moritz v. 1817 - 1904
Komponist - Mück, Alfred 1912 - 1945
Lehrer, Archäologe - Neuhofer, Franz 1870 - 1949
Komponist - Orthner, Rudolf + 1961
Physiker - Peteler, Josef M.
Glockengießer Steyr, tätig 1857-1898 - Primavesi, Inge +1997
Professorin eines Linzer Gymnasiums - Schiedermayr, Joh.Bapt. 1779 - 1840
Komponist - Singer, Rolf 1906 - 1994
Botaniker, Mykologe (MS 311) - Wach, Aloys 1892 - 1940
Maler, Holzschnittkünstler - Walter, Erich 1944 - 1999
Arzt, Sammler von Photokunst - Zinnögger, Leopold 1811 – 1872
Maler - Zöhrer, Ferdinand 1844 - 1901
Buchhändler, Reise- u. Jugendschriftsteller
Porträts und Porträtfotografien
Die Porträtsammlung umfasst ca. 7000 Blätter in verschiedenen Drucktechniken. Sie wird durch die Sammlung von Porträt-Fotografien oberösterreichischer Persönlichkeiten ergänzt.
Ansichtspostkarten
Die Ansichtskarten-Sammlung enthält ca. 10 000 Stück historische Ansichtskarten Oberösterreichs auf Grundlage der Sammlung Krackowizer. Sie wird laufend erweitert.
Plakate
Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf Ausstellungsplakaten in- und ausländischer Museen.
Historische Spielkarten
Die Bibliothek besitzt eine feine Sammlung historischer Spielkarten. Sie enthält große Raritäten aus den Bereichen Trappolier-, Tarock- und Hexelkarten. Viele Spiele stammen aus frühen oberösterreichischen und Wiener Spielkartenverlagen. Es sind alle Farben vertreten, einige Spiele sind noch original verpackt.
Ein „Oberösterreichisches Tiertarock“ 1836, aus dem Verlag Joseph Dimler in Wels, liegt als qualitätsvoller Nachdruck der Firma Piatnik vor und kann auch erworben werden.
Stammbücher, Gebetbücher, Kalender
Die Sammlung von Stammbüchern reicht von adeligen Wappenbüchern des 16./17. Jahrhunderts mit zahlreichen allegorischen Darstellungen, Wappenbildern und kostbaren Miniaturen über biedermeierliche Stammbücher mit romantisch-verklärenden Einträgen auf Seidenblättern bis zum Stammbuch der Jahrhundertwende 1900 mit Einträgen berühmter Künstlerpersönlichkeiten wie Franz Kafka, Alfred Kubin, Fritz von Herzmanovsky-Orlando u. v. a.
Schließlich gibt es kleinere Spezialsammlungen wie liebevollst ausgestattete, handgeschriebene Gebetbücher aus der Zeit von 1618 – 1800 und alte Kalender. Die ältesten stammen z. B. von Johannes von Gmunden (Einblattkalender als Nachdruck 1810 von der Originalholzplatte, die um 1470 geschnitten wurde) und von Johannes Regiomontanus 1538.
Kochbücher
Die Bibliothek besitzt 87 (Stand Oktober 2010) handgeschriebene Kochbücher aus der Zeit von 1646 bis ins 20. Jahrhundert. Diese Sammlung stellt einen kulturhistorischen Schatz dar, der nach und nach inhaltlich erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Es werden sowohl die Kochbücher selber erfasst als auch die darin befindlichen Rezepte.
Auf der Internetseite www.Alteskochbuch.at sind die Manuskripte aufgelistet, mehre Kochbücher sind bereits inhaltlich erfasst, viele Rezepte sind vollständig abrufbar, besonders jene zur Linzer Torte. An dieser Rezeptdatenbank wird laufend gearbeitet.
Die stets wachsende Anzahl von Kochbuchdrucken enthält Standardwerke der Küche Österreichs und Oberösterreichs. Das älteste gedruckte Kochbuch stammt aus 1552 (Balthasar Staindls „Ain künstlichs und nutzlichs Kochbuch“, Augsburg). Die Bestände reichen über die „Hausväterliteratur“ des 17. und frühen 18. Jahrhunderts über Haggers berühmtes Barockkochbuch und die bekannten Regionalkochbücher des 19. Jahrhunderts – besonders das „Linzer Kochbuch“ der Maria Elisabetha Meixner in fast allen Auflagen - bis zu den oberösterreichischen Neuerscheinungen.
Dazu kommen Werke, die Kulturgeschichte, Geschichte und Zubereitung von Nahrungsmitteln behandeln und volkskundliche Aspekte beleuchten.
Alle bibliographischen Informationen zum Kochbuchbestand und zum Standort in der Bibliothek (Signatur) lassen sich aus dem Online-Bibliothekskatalog ersehen.








