Volkskunde
Geschichte
Von der Idee und vom Material bildete die "OÖ. Bauernwohnung" im Souterrain des Francisco-Carolinum den Mittelpunkt der volkskundlichen Sammlung, die seit 1880 als Teil der Kunst- und Kulturgeschichte, seit 1939 als eigene Abteilung besteht.
Die vorwiegend aus „Volkskunst“ bestehende Sammlung erfuhr die bedeutendsten Zuwächse in Form großer Legate (Pachinger, Zöhrer, Spiegl) und verfolgt durch weitere systematische Erwerbungen das Ziel, einen Querschnitt durch die Sachkulturgüter Oberösterreichs des 19. und 20. Jahrhunderts zu bewahren, wobei nun der Schwerpunkt auf der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart liegt.
Inhalt und Bereiche
Die volkskundlichen Sammlungen umfassen etwa 50.000 Objekte (ca. 30.000 dreidimensionale Bestände und zusätzlich ca. 15.000 Grafiknummern). Sie haben den Schwerpunkt Oberösterreich und beinhalten einerseits etliche Spezialsammlungen (Hinterglasbilder, Krippen, Möbel, (Fund-)Keramik, Spielzeug, Modeln, Andachtsbilder, Schmiedeeisen, Trachten und Hauben, Alltagskultur), andererseits aber regionale (Salzkammergut) und thematische Einheiten (Ethnographie, Volksfrömmigkeit, Fischerei). Außerdem stehen ein umfangreiches Plan- und Bildarchiv (R. Heckl, R. Moser, J. Mechle) und einige Nachlässe (M. Kislinger, A. Depiny), u. a. Hunderte von Dokumentaraufnahmen für (volkskundliche) Forschungen zur Verfügung.
Ziel ist es, den Schwerpunkt verstärkt auf Produkte (auch der industriellen Erzeugung) oberösterreichischer Firmen zu legen (z. B. Austrosessel der Fa. Wiesner Hager ect.), denn gesammelt werden alle Objekte, die Zeugnis von der historischen und gegenwärtigen (Sach-)Kultur Oberösterreichs geben (Beispiele: Stop AKW Temelin-Aufkleber, Kulturhauptstadt Linz 09-Button, Andenkenglas mit Ortsansicht von Hallstatt, Schulhefte einer Linzer Schülerin der 1960er Jahre, Produktkataloge der Gmundner Keramik 2010...) Um diese aktuelle Sammlungsstrategie nicht nur im eigenen Haus umzusetzen, sondern auch österreichweite Wirkung zu erzielen und Abstimmungen in den Sammlungskonzepten der Museen zu erreichen, betrieb und betreute die Volkskundeabteilung das Projekt „Alltagskultur seit 1945“, das 2005 seine sichtbaren Ergebnisse durch die Publikation „Dinge des Alltags“ und über 60 Ausstellungen vorlegen konnte (u. a. im Schlossmuseum Linz die Sonderausstellung „wie wir wohn(t)en“.
Projekte
St. Peter bei Freistadt
Seit 2008 läuft zusammen mit dem Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt und einigen Fachleuten und Sammlern ein Projekt zur Erforschung der Keramik aus St. Peter bei Freistadt. Die Geschichte des Betriebs beginnt eigentlich erst um die Jahrhundertwende und endet bereits im Jahr 1959 mit der Schließung einer Firma, die vor allem durch Zierkeramiken mit Schüttglasuren und angarniertem Obst oder Alpenblumen in den 1950er Jahren in Erinnerung geblieben ist. Der geplante Studienband, der im Jahr 2013 parallel zur Landesausstellung in Freistadt erscheinen soll, wird sowohl die Geschichte, als auch die Technik der „Oberösterreich Keramik“ aus St. Peter behandeln, als auch eine reich bebilderte Produktübersicht bieten. Gleichzeitig ist im Mühlviertler Schlossmuseum in Freistadt eine große Sonderausstellung zur St. Peter Keramik geplant.
Pachinger
Einen bedeutenden Objektbestand innerhalb der Volkskundeabteilung stellt die Sammlung Anton Maximilian Pachinger (1864 - 1938) dar. Ein ebenfalls umfangreicher Bestand bildete den Grundstock des späteren Stadtmuseums Nordico. Auch andere Abteilungen der Oberösterreichischen Landesmuseen bewahren Zeugnisse aus der Sammlung Pachinger. Weitere Standorte von Gegenständen des Linzer Privatgelehrten sind Museen in Wien, München, Basel und Nürnberg. Ziel eines größeren Kooperationsprojekts sollen eine Rekonstruktion dieser Sammlung sein, aber auch eine Publikation und zumindest eine Ausstellung.
Neues:
Die zahlreichen Neuzugänge aus dem Bereich Alltagskultur finden zumindest teilweise Eingang in die ab 1. Juli 2011 geöffnete Dauerausstellung „20. Jahrhundert. Kunst und Alltagskultur in Oberösterreich“. Nach dem Vorbild der Stubenpräsentationen im Schlossmuseum werden gesamte Interieurs (Bauernstube, Wohnküche 1950er Jahre, Wohnzimmer 1970er Jahre) zu sehen sein. Es können aber auch die wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts in einem Zeitstreifen nachgelesen und mit Hilfe von Objekten Erinnerungen geweckt werden.
Sammlungsleitung
(Voranmeldung erbeten)
Dr. Andrea Euler (Volkskunde allg.)
Oberösterreichische Landesmuseen
Schlossmuseum Linz
Schlossberg 2
4010 Linz
Tel: +43-0732-774419-20
Fax: +43-0732-774419-29
email: a.euler@landesmuseum.at
Mag. Dr. Thekla Weissengruber (Bereich Textilien)
Oberösterreichische Landesmuseen
Schlossmuseum Linz
Schlossberg 2
4010 Linz
Tel: +43-0732-774419-43
Fax: +43-0732-774419-29
email: t.weissengruber@landesmuseum.at




Das 20. Jahrhundert in Oberösterreich: Kulturgeschichte und Kunst
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