Eröffnung der Tagung: 2. Februar 2012, 10.00 Uhr

Ist die Welt rund um die Uhr geöffnet?

Chancen und Risken künstlicher Beleuchtung

INFOS: PDF-Download

Veranstalter: OÖ. Landesmuseen

Veranstaltungsort: Schlossmuseum Linz, Schlossberg 1a, 4020 Linz; Festsaal

Veranstaltungstermin: 2.– 4. Februar 2012

Tagtäglich aktivieren wir Lichtschalter, ohne über die Nebenwirkungen nachzudenken. Wir sind gefangen von den zahlreichen Vorteilen, die uns das Licht beschert, argumentieren damit, dass wir unsere Augen durch gutes Licht schonen und unsere Lebenszeit länger (bis in die Nacht hinein) ausnützen können. Wir Menschen haben uns perfekt an diese neuen Lebensbedingungen, die uns das künstliche Licht schenkt, angepasst. Wir genießen es, vom Tageslicht unabhängig zu sein.
Historisch gesehen standen sich Skeptiker und Befürworter von künstlichem Licht gegenüber. So wurde nicht selten auf die befürchtete Gefahr des Blindwerdens durch Gaslicht verwiesen. Dennoch scheint die Faszination, welche künstliche Leuchtmittel umgibt, ungebrochen. Seit dem Beginn der Elektrizität nimmt deren Menge zu. Die Illumination ist längst vom Innenraum in den Außenraum vorgedrungen. Straßen, Plätze und öffentliche Gebäude werden beleuchtet; Selbstleuchtende Häuserfassaden sind „in“. Licht zog auch in den Bereich der Werbung oder in die Argumentation des Arbeitsschutzes ein.
Light pollution, photo pollution, luminous pollution, sky glow, light trespass, light impact, Lichtverschmutzung, Lichtemission, Störung und Blendung sind Schlagworte, die vor allem in den letzten Jahren langsam an Bedeutung gewannen. Dennoch ist das Phänomen, das sie beschreiben, weitgehend unbekannt: die immer zahlreicher werdenden künstlichen Lichter, falsch gewählte Leuchtkörper und Lampen verursachen eine künstliche Aufhellung nicht zuletzt des Nachthimmels. Dies hat weitreichende Folgen für die Menschen, die Tier- und Pflanzenwelt, aber auch für die Wissenschaft. Erneut scheinen sich zwei unterschiedliche Lager in der Gesellschaft ausgebildet zu haben: Nachtschwärmer wie Astronomen, Biologen,
Chronobiologen und Mediziner versus Lichtanhänger wie Stadtbildplaner, Werbeleute und Sicherheitskräfte. Die Geschichtswissenschaft beobachtete in der Vergangenheit das ambivalente Verhältnis zum künstlichen Licht und muss sich nun verstärkt dieser Thematik widmen.
Im Zuge der Tagung sollen interdisziplinär Chancen und Risiken künstlicher Beleuchtung diskutiert und jene Zeitpunkte erfasst werden, die den Sinneswandel rund um die Lichtkultur in der Gesellschaft Oberösterreichs einläuteten. Darüber hinaus sollen auch Folgeerscheinungen, Chancen und Risiken, thematisiert und Vorschläge erarbeitet werden, die zu einer Lösung des neuen Umweltproblems führen könnten.

Programm

Donnerstag, 2. Februar 2012

Ab 8.30 Uhr ist das Tagungsbüro geöffnet.

10 Uhr        Begrüßung

Peter Assmann, Direktor OÖ. Landesmuseen

LH Dr. Josef Pühringer (wird angefragt)

LR Rudolf Anschober (wird angefragt)

Block 1      Künstliches Licht in der Geschichte

Moderation: Elisabeth Schiller

10.30 Uhr   Umweltgeschichte – Aufgaben, Definition

                   Reinhold Reith, Universität Salzburg

11.00 Uhr   Vom Nachtschwärmer zur Motte Mensch

                   Ute Streitt, OÖ. Landesmuseen

11.30 Uhr   Diskussion

11.45 Uhr  Kaffeepause

12.00 Uhr  Luftschutz tut not! – Verdunkelung und Einsatz von Flak und

                   Scheinwerfern bis 1945

                   Martin Prieschl

12.30 Uhr   Diskussion

12.45 Uhr   Mittagspause

Block 2      Öffentliche Beleuchtung in Kunst und Werbung

Moderation: Elisabeth Schiller

14.00 Uhr   Künstliches Licht in der Werbung

                   Ute Streitt, OÖ. Landesmuseen

14.30 Uhr   Kunstlicht – Lichtkunst

                   Waltraut Cooper

15.00 Uhr   Diskussion

15.15 Uhr   Kaffeepause

15.30 Uhr   Filmvorführung „Die dunkle Seite des Lichts!“ Film zur Nacht von und mit Anja Freyhoff und Thomas Uhlmann (ca. 50 Minuten)

16.30 Uhr Führungen durch die Dauerausstellungen Natur und Technik

                   Stefan Weigl, Ute Streitt

Im Anschluss: Möglichkeit zum freien Besuch des Schlossmuseums

(bis 21 Uhr geöffnet)

 

Freitag, 3. Februar 2012

Block 3      Naturwissenschaften und künstliches Licht

Moderation: Gerhard Aubrecht

9 Uhr      Lichtverschmutzung in der Bildungsarbeit der Kepler-Sternwarte Linz

              Herbert Raab, Linzer Astronomische Gesellschaft

9.30 Uhr     Die dunklen Seiten des Lichts - am Beispiel Wien

                  Thomas Posch, Universität Wien

10.00 Uhr   Kaffeepause

10.15 Uhr   Ein Falter schwirrt ums Licht…

                  Peter Huemer, Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft mbH

10.45 Uhr  Unerwünschte Auswirkungen der künstlichen Beleuchtung auf die Vogelwelt

Gerhard Pfiffinger, Birdlife

11.15 Uhr   Kaffeepause

11.30 Uhr   Anwendungen des satellitenbasierten Monitorings künstlicher Beleuchtung

                   Christoph Aubrecht, AIT Austrian Institute of Technology GmbH

12.00 Uhr   Light Meter

                   Günther Wuchterl, Kuffner Sternwarte

12.30 Uhr   Abschlussdiskussion

12.45 Uhr  Mittagspause

 

Block 4      Medizin und Chronobiologie und ihr Verhältnis zu künstlicher Beleuchtung

Moderation: Ute Streitt

14.00 Uhr   Licht am Arbeitsplatz

                   Thomas Edtstadler, Land OÖ, Abt. Gesundheit

14.30 Uhr  Blendung – aus dem Blickwinkel eines Augenarztes

                   Peter Heilig, Universität Wien

15.00 Uhr   Diskussion

15.15 Uhr   Kaffeepause

15.30 Uhr   Macht uns künstliches Licht krank?

                   Dietmar Hager, KH der Elisabethinen Linz Kaffeepause

16.00 Uhr   Diskussion

16.15 Uhr   Kaffeepause

16.30 Uhr   Licht und Nacht – Zur Entwicklung der Rechtslage in Österreich

                   Gernot Kocher, Universität Graz

17.00 Uhr   Diskussion

17.30 Uhr   Stadtführung mit dem Linzer Nachtwächter und Abendessen im Goldenen Anker (max. 30 Personen, Anmeldung ist erforderlich)

 

Samstag, 4. Februar 2011

Block 5      Das Recht auf die Nacht

Moderation: Ute Streitt

9.00 Uhr     Gesetze zur Vermeidung von Lichtverschmutzung in europäischen Ländern

                            Andreas Hänel, Dark Sky Association

9.30 Uhr     Diskussion

9.45 Uhr     Kaffeepause

10.00 Uhr   Rechtliche Möglichkeiten zur Vermeidung von störender Lichter

                   Jürgen Frank, Abt. Anlagen-, Umwelt- und Wasserrecht, Land OÖ

10.30 Uhr   Künstliches Licht im Spiegel der Öffentlichkeit

                            Martin Donat, OÖ. Umweltanwaltschaft

11.00 Uhr   Diskussion

11.15 Uhr   Kaffeepause

11.30 Uhr   Licht als Prävention vor Dämmerungseinbrüchen

                   Johann Freinschlag, Landeskriminalamt OÖ

12.00 Uhr   Zusammenfassung der Tagung

                   Ute Streitt

12.30 Uhr   Abschlussdiskussion

13.00 Uhr   Ende der Veranstaltung